; Episode 4 - Von einem, der auszog, das Fürchten zu lehren

Episode 4 - Von einem, der auszog, das Fürchten zu lehren

Deutsche Behörden und Geheimdienste waren schon immer schwer beschäftigt. Da gab es nicht nur die eifrige Hilfe für den großen Bruder in Übersee. Nein, es war einfach eine deutsche Tugend, immer gewaltig beschäftigt zu sein. Wer die Staatsgewalt trug, hatte viel Verantwortung und musste sich mächtig ins Zeug legen, um dieser gerecht zu werden. Von wegen 'Behördenschlaf' - das war nur etwas für Witze, Anekdoten und Satire - alles nicht wahr. Die Geheimdienste schliefen nie, schon aus Prinzip! Wo würden wir denn in einem geordneten Staatswesen hinkommen, wenn nicht jeder Ablauf streng nach vorgefassten Regeln laufen und zusätzlich noch überwacht werden würde?

Die eine Behörde hatte einen Superhelden und die andere hatte ihn auch. Wahrscheinlich gab es in jeder deutschen Institution 'Den Retter'. Jedoch das Bundeskriminalamt war ganz besonders gesegnet: Es hatte den Dacapo, einen Polizisten der Superlative. Er war immer im Dienst, war mächtig gewaltig und hatte eine Aufklärungsquote von 120 Prozent. Wenn nichts mehr ging, der Dacapo rettete jede Statistik, Budgeterhöhung und Jahresendprämie. Er lebte ausschließlich für das BKA, er war die Personifizierung der Staatsgewalt.

In der Mark Brandenburg, in deren Zentrum sich die große, bunte Stadt befand, war einiges aus dem Ruder gelaufen. Ausgerechnet in dem kleinen Städtchen Storkow (Mark) waren unerklärliche Dinge geschehen. Es war für den Dacapo an der Zeit, für Ordnung und die Durchsetzung der Staatsgewalt zu sorgen.

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Das Quartier des BKA lag im verträumten Treptow, einem Stadtteil im Osten Berlins. Hier gab es viel Wasser und große Parks. Eine alte Kaserne bot ausreichend Platz und ein passendes Ambiente für die Gebäude des Polizeigeheimdienstes. Die metallenen Doppelstockbetten, blau-weiß-karierte Bettwäsche und hölzerne Spinde waren durch Schreibtische und bequeme Bürostühle ersetzt worden.

An Arbeitstagen hetzten hektische Beamte über die Flure und verteilten die vielen Daten, die über alle möglichen, unmöglichen und geheimen Kanäle die mächtige Behörde erreichten. Hier wurden sie kategorisiert, zugeordnet, verarbeitet und dauerhaft abgelegt. Obwohl auch an Sonntagen die Behörde nicht schlief, war es ruhig in den Häusern mit den langen Gängen. Nur ein einziger, unermüdlicher Beamter irrte durch die Flure und leerte die Kaffee- und Getränkeautomaten. Zumindest versuchte er das.