; Beutezug

Beutezug

Jedes Schreckbild verschwindet,
wenn man es fest ins Auge faßt.

Johann Gottlieb Fichte

"Jewgeni, ich weiß gar nicht, warum du dich schon wieder beschwerst."

Wassili klingt genervt. Sein Freund beschwert sich ununterbrochen bei ihm. Dabei läuft ihre Unternehmung in die gewünschte Richtung. Mehr als offensichtlich ist heute nicht sein Tag. Obwohl die Materialbeschaffung für ihren Auftrag länger als erwartet dauerte, haben sie alles bekommen. An seinem Ende ist der ganze Tag ein Erfolg und langweilig war er wirklich nicht. Ein schneller, vorsichtiger Blick zum Platz des Fahrers zeigt Wassili, dass er keine Antwort bekommen wird. Sein Freund hat sich steif hinter das große Lenkrad gesetzt, etwas über dieses gebeugt und sieht durch das glaslose Fenster starr auf die Straße vor ihnen. Auf dieser ist nichts zu erkennen. Die altersschwachen Glühbirnen in den zusätzlich abgedunkelten Frontscheinwerfern haben keine Chance gegen die Dunkelheit der Novembernacht. Ab und zu ist der blasse Schemen eines Hindernisses zu erkennen. Zu ihrem Glück befinden diese sich alle neben der Straße. Noch haben sie mit dem historischen Fahrzeug nichts ernsthaft gerammt. Die Schäden auf ihrem bisherigen Weg sind tolerabel. Aus Sicht transnistrischer Wissenschaftler sind sie sogar indiskutabel, ja nicht einmal erwähnenswert.

Da Jewgeni ihm nicht antwortet, fügt Wassili erklärend hinzu: "Wir haben ein starkes Aggregat, das uns ausreichend elektrische Energie liefern wird, wir haben Unmengen an Kraftstoff, wir haben eine Transportmöglichkeit für alle Ausrüstungsgegenstände gefunden und du hast uns unserem Ziel schon sehr nahe gebracht."

Der Fahrer des Lastkraftwagens stöhnt nur laut und demonstrativ. Seine akustische Beschwerde übertönt deutlich das Blubbern des Benzinmotors, das Pfeifen des Fahrtwindes, der durch die zerstörte Frontscheibe dringt und das Poltern der großen Räder. Bei jeder Unebenheit der Straße reißt das große Lenkrad an seinen Armen. Ein Fahrzeug dieser Größe ist ohne Servolenkung schwer zu bedienen. Außerdem ist die Lenkung selbst nicht sehr präzise und der schwere Wagen pendelt beständig von einer Straßenseite zur anderen. Jewgeni strengt sich nun schon seit mehr als einer Stunde an, nicht einen der Straßenbäume zu rammen.

Die vielen lustigen Verkehrszeichen mit den Autos, die Späne aus Bäumen hobeln, scheinen ausschließlich für ihn aufgestellt worden zu sein. Sie erinnern ihn fortwährend daran, die Gewächse hinter dem Straßenrand zu meiden. Was mit Alleebäumen ganz gut funktioniert, bereitet bei Gartenzäunen ernste Probleme. Jewgeni hat bereits mehrere touchiert. In den kleinen Dörfern entlang ihres Weges gibt es Straßenverengungen und scharfe Kurven. Beides sind Hindernisse, die mit dem großen Fahrzeug nur schwer zu bewältigen sind. Jewgeni gelingt es nicht immer, auf der Straße zu bleiben. Ist diese zu schmal und stehen die bürgerlichen Grenzanlagen zu nah an deren Rand, kann er nicht auszuweichen. Selbst wenn der Lastkraftwagen noch passiert, so schlägt spätestens der Anhänger mit dem Aggregat in die Begrenzungen. So bekamen bereits mehrere Zäune in den Dörfern auf ihrem Weg Lücken. Dem ЗИЛ-157 schadet das nicht weiter. Die Lackierung ist nach annähernd dreißig Jahren nicht mehr frisch und die vielen Dellen verleihen dem Wagen eine archaisch-anarchistische, abenteuerliche Patina.

****

Der Maler stellt sich an den Rand der Straße, unter eine der wenigen Laternen, die den kleinen Ort um diese späte Abendzeit erhellen. In deren Lichtkegel wirkt er gar nicht mehr so unauffällig, wie noch am Tag, als er neben dem Flugfeld stand. Der helle Trenchcoat hebt sich deutlich vom dunklen Anthrazit des Asphalts ab und das schwarze Barett ist so etwas wie der Punkt auf dem 'i'. Abgesehen davon, dass diese Bekleidungsstücke ihren Träger aus der Zeit rücken und visuell in den 80-er Jahren verorten, wirkt der Maler unspektakulär und harmlos. Er möchte als Anhalter mitgenommen werden und vertraut darauf, dass seine Bekleidung dieses Anliegen unterstützt. Bezüglich seines Aussehens fühlt er sich vollständig kompatibel zum Wunsch einer kostenlosen, unverbindlichen Mitnahme. Als harmlos wirkender Reisender hofft er auf eine freundliche Aufnahme. Autofahrer, die zu dieser späten Zeit an dem Novemberabend den kleinen Storkower Vorort Bugk passieren, sind offensichtlich anderer Meinung. Ein lauter werdendes Brummen nähert sich dem Mittelpunkt des Ortes. An der rasanten Veränderung des Geräusches ist zu erkennen, dass sich der Fahrer des Autos nicht an die amtlich vorgegebene Geschwindigkeitsbegrenzung hält. In das Motorengeräusch mischt sich ein leichtes Quietschen von Reifen, die auf dem herbstlich feuchten Straßenbelag gleiten. Die seichte Kurve, direkt vor dem Dorfplatz, ist bereits zu viel für einen hundertprozentigen, sicheren Fahrbahnkontakt. Zur Verwunderung des Malers erscheint kein Fahrzeug auf der Straße, sondern ein Flugobjekt über dieser. Mit einem durchdringenden, kreischenden Summen tritt ein fliegendes Objekt in den Lichtkegel der Straßenlaterne. Da es von mattschwarzer Farbe ist, war es zuvor in der Nacht nicht erkennbar. Das Gerät, etwa von Größe und Form des Deckels einer Mülltonne, fällt schräg von oben auf ihn herab. In einem Winkel von exakt fünfundvierzig Grad nähert es sich blitzartig und bleibt dann direkt vor ihm, in Höhe seines Kopfes, hängen. Nur dreißig Zentimeter trennen ihn von dem Flugkörper. Ein großes Kameraauge, dessen Objektiv im Licht der Laterne kalt aufblitzt, ist auf den Maler gerichtet. Dieser zuckt instinktiv mit Kopf und Oberkörper zurück. Aufgrund der ruckartigen Bewegung droht er kurzzeitig die Balance zu verlieren und nach hinten, auf den Rücken, zu kippen. Nach einem Halt suchend, rudert er mit beiden Armen in der Luft. Ob die Drohne ihn deshalb als ihresgleichen einstuft oder einfach nur diese Übung als sinnlos und lächerlich bewertet, kann er nicht feststellen. Urplötzlich kommt wieder Bewegung in das Objekt. Es kippt nach links zur Seite und fliegt hochkant an ihm vorbei. Anschließend beschleunigt die Drohne stark und fliegt mit einem kreischenden Summen in Richtung Storkow davon. Noch bevor der Maler aufatmen kann, beleuchten ihn unvermittelt zwei voll aufgeblendete Scheinwerfer, die sich mit dem Dreifachen der innerhalb von Orten zugelassenen Geschwindigkeit nähern. Der Kleinwagen fliegt förmlich auf den Maler zu, der sich wie ein Kaninchen vor der Schlange verhält: Er bewegt sich nicht, bleibt starr vor Schreck auf der Straße stehen und blickt unverwandt auf das heranrasende Desaster. Das grelle Licht der Scheinwerfer blendet ihn, brennt sich in seine Augen und lässt den hellen Mantel in der Nacht aufleuchten. Es ist vollständig unmöglich, ihn nicht wahrzunehmen, bildet er doch einen für diese Jahreszeit ungewöhnlichen, hellen und kontrastreichen Farbabdruck vor der dunklen, herbstlichen Dorflandschaft. Einziger Negativpunkt ist seine Bewegungslosigkeit, die zum zweiten Mal an diesem Tag zu einer Verwechslung mit einer Schaufensterpuppe führen kann. Im unteren Teil seines Bauches fühlt er ein unangenehmes Kribbeln, das sich mit der weiteren Annäherung des Kleinwagens an seinen Standort schnell verstärkt und in Richtung Magen aufsteigt. Wie eine Explosion breitet es sich dort aus, schnürt seinen Brustkorb zusammen und nimmt ihm den Atem. Die gesamte Situation kommt ihm bekannt vor: Da läuft jemand Amok! In dem Fahrzeug, das sich auf einem Kollisionskurs zu ihm befindet, ist nichts zu erkennen. Ab und zu streift das Licht einer Straßenlaterne den Wagen von der Seite und leuchtet in dessen Inneres. Nichts. Auf dem Sitz hinter dem Lenkrad sitzt niemand - auch sonst sind keine Insassen zu erkennen. Das Gefährt jagt mit der maximal möglichen Geschwindigkeit direkt auf ihn zu, ohne dass es von jemandem gesteuert wird! Es bremst vor ihm nicht ab und wechselt auch nicht auf die andere Spur. Im letzten Augenblick gelingt es dem Maler, zur Seite zu springen. Aus der Fluchtbewegung in Richtung der Straßenmitte heraus, tastet er mit seinen Augen den Innenraum des Kleinwagens ab. Die Laterne, unter deren sanftem Lichtkegel er noch vor einem Augenblick gestanden hatte, leuchtet die Kanzel des Geisterfahrers gleichmäßig aus. Er kann problemlos alle Details erblicken. Zwei Sekunden sind ausreichend, um sein Entsetzen zu maximieren. Es sind keine Details vorhanden: kein Mensch, kein Tier, keine Maschine. Der Wagen ist komplett leer. Zusätzlich drängt sich dem Maler ein Gedanke auf: Das Fahrzeug scheint sich wirklich mit der maximal möglichen Geschwindigkeit zu bewegen. Mit nur einem halben Kilometer pro Stunde mehr könnte es sich nicht mehr auf der Straße halten. Ein prickelnder Schauer läuft ihm über den Rücken. Was geschieht in dieser Region der Mark Brandenburg? Ist das Dahmeland so andersartig? Wo ist er mit seiner Flucht hineingeraten? Im Kopf des Malers überschlagen sich die Gedanken. Das Adrenalin, das inzwischen in Unmengen seinen Blutkreislauf durchströmt, lässt sein Hirn auf Hochtouren arbeiten. Bilder und Gedanken blitzen auf, verbinden sich mit anderen, bilden unentwirrbare Knoten, Cluster und verwirren sich immer mehr. Es gibt viele Anfänge, jedoch kein Ende, keine der Überlegungen liefert eine sinnvolle Erklärung. Zuerst verfolgt ihn der Dacapo. Diesem nervigen Geheimpolizist gelingt es heute auf eine mystische, unerklärliche Art und Weise immer wieder, ihn aufzuspüren. Noch nie ist dieser Super-BKA-Mann ihm so nahe gekommen, wie an diesem Tag. Der Maler entkommt ihm nur mithilfe eines anderen Wahnsinnigen. Ein abgehalfterter, ehemaliger Spitzenpolitiker, der im Sommer beinahe Bundeskanzler geworden wäre, nimmt ihn in einem mit fantastischen Messgeräten ausgestatteten Transporter mit. In den Tiefen des Dahmelandes flüchtet er auch vor diesem Verrückten, verirrt sich im Wald und trifft auf die geheimnisvolle Tambourette. Dies ist zwischen all den Erlebnissen ein Lichtblick. Das ewige Kind hilft ihm, wieder auf den Weg nach Storkow zu finden. Leider trifft er dort sofort auf ein amoklaufendes, unbemanntes Auto. Dieser Tag ist eine Ansammlung von seltsamen Geschehnissen, die immer wieder ihn betreffen und er ist noch nicht an dessen Ende angekommen...

Noch bevor sich der Maler von dem bedrohlichen Erlebnis mit dem Geisterfahrzeug erholen und es vollständig verarbeiten kann, ist ein weiteres Auto zu hören, das sich ihm nähert. Kein Quietschen, kein Geheul eines gequälten Motors, dem Maler nähert sich ein ruhiges, sonores Brummen. Anfänglich ist es kaum zu hören und kann gegen die Gedankenflut in seinem Kopf nichts ausrichten. Sehr langsam wird es lauter, wahrnehmbarer und drängt endlich das Wirrwarr aus seinem Kopf. Dieser Wagen fährt offensichtlich vorschriftsmäßig, so langsam wie er sich nähert, wahrscheinlich schon übervorsichtig. Das gleichmäßige Motorengeräusch beruhigen den Maler, bringen ihn wieder zu seinem inneren Zentrum und zum mentalen Gleichgewicht zurück. Seine Hals- und Nackenmuskulatur lockert sich und von einem Augenblick auf den nächsten steht er entspannt in der Mitte der Straße. Auch seine Gedanken entwirren sich. Während der Betrachtung seiner näheren Umgebung kommt er ruhig und langsam zu der Einsicht, dass dies nicht der beste Standplatz für einen Anhalter ist. Zügig begibt er sich wieder an den Straßenrand, unter den Lichtkegel der Laterne. Er möchte nun endlich seine Reise abschließen und nach Storkow mitgenommen werden. Das Ziel dieser Flucht ist nicht mehr weit entfernt. Um seine Chancen zu erhöhen und einen extrem harmlosen, vertrauenswürdigen und freundlichen Eindruck zu erwecken, nimmt er sein Barett vom Kopf. Die letzte, militärische Anmutung verschwindet und nun unverhüllt blickt er freundlich lächelnd in die Richtung, aus der das Fahrzeug erscheinen muss. Den rechten Arm zum Anhaltergruß abgespreizt und den Daumen der Hand nach oben gerichtet, erwartet er sein Transportmittel. Während seiner Kindheit, in der er sich mehrfach auf der Flucht vor verschiedenen Organisationen befand, hatte das jedes Mal funktioniert. Leider liegt das schon einige Jahre in der Vergangenheit und das ungeschriebene Regelwerk zwischen Anhaltern und Fahrern hat sich inzwischen mehrfach geändert...

Zwei Minuten später blickt der Maler immer noch erwartungsvoll in die Richtung des Motorengeräusches. Obwohl sich dessen Intensität verstärkte, ist bisher kein Fahrzeug erschienen. Ungeduldig wechselt er sein Standgewicht auf das andere Bein und rollt zur Lockerung der Gelenke mit den Schultern. Sein ausgestreckter Arm wird langsam schwer und beginnt nach unten zu sinken. Er korrigiert dessen Position mit einem Ruck nach oben. Würde er nicht bereits verkrampft lächeln, könnte er jetzt den Mund verziehen. Ein freundliches, harmloses Lächeln über mehrere Minuten zu zeigen, ist anstrengend. Dabei können schon einmal die Gesichtszüge in eine starre Maske abgleiten. Endlich erscheint ein blasses Leuchten in der Kurve vor dem Dorfplatz. Flackernd wird er heller und füllt den Raum über der Straße mit einem gelben, warmen Licht aus. Das heranrollende Fahrzeug hat die Frontscheinwerfer freundlich und vorschriftsmäßig abgeblendet. Sehr langsam bewegt es sich auf den Maler zu, es fährt nur Schrittgeschwindigkeit. Zu dessen Freude ist dieses Mal ein Fahrer zu erkennen. Der Mann hinter dem Lenkrad steuert einen schweren, modernen Straßenkreuzer durch die Nacht. Es ist das größte Modell des führenden, deutschen Automobilherstellers. Entgegen der Vermutung des Malers ist das Fahrzeug nicht schwarz, sondern türkis lackiert. Der Fahrer, der hinter dem Lenkrad sitzt, trägt in dem Wagen einen hellen, gelben Strohhut und hat um seinen Hals einen roten Seidenschal in mehreren Windungen geschlungen. Die extrem langsame Vorwärtsbewegung des großen Autos lässt ausreichend Zeit für intensive Betrachtungen. So fällt dem Maler zusätzlich auf, dass der Mann singt. Die Bewegungen seines Mundes und Kopfes sind eindeutig. Als die schwere Limousine einen Steinwurf vom Maler entfernt ist, wechselt sie in aller Ruhe auf die linke Fahrspur. Der Fahrer weicht ihm in einem weiten Bogen aus. Er singt unhörbar im gut abgeschirmten Innenraum, ignoriert den Anhalter und fährt seelenruhig weiter. Verdutzt dreht sich der Maler um und blickt dem teuren Wagen hinterher. Sein offener Mund, der zu einem großen O geformt ist, drückt Erstaunen und ungläubige Verwunderung aus. Vom Kofferraum der Limousine grüßt ein großes, rundes (25)-Schild, dessen Rand das Licht der einsamen Straßenlaterne freudig blinkend reflektiert. Starr steht der Maler auf der rechten Seite der Straße und versteht gar nichts mehr. Sekunden später besinnt er sich, läuft dem Wagen hinterher und versucht ihn rufend anzuhalten. Etwas später beschimpft er den Fahrer und fordert ihn zum Stehenbleiben auf. Das Auto rollt unbeeindruckt und langsam weiter und verschwindet am anderen Ende des Dorfplatzes in der Dunkelheit der Novembernacht.

Jetzt ist der Maler wütend. Was sollte das denn sein? Sind alle gestört, die an diesem Abend hier unterwegs sind? Liegt das vielleicht an der Gegend - dem Zentrum des Dahmelandes? Er empfindet sich missachtet und ungerecht behandelt. Jetzt hat er sich nach vielen Jahren entschlossen, den Schutz der Anonymität zu verlassen und um Hilfe zu bitten. Die Mitmenschen, die er in den vergangenen Jahren so engagiert vor dem Verbrechen beschützte und warnte, wenden sich von ihm ab, ignorieren ihn einfach. Er hat sein gesamtes Leben dieser Aufgabe, der Gemeinschaft, geopfert und nun lässt diese ihn im Stich. Hat sich die Gesellschaft so stark verändert, ohne dass ihm diese Transition bewusst wurde? Wird Hilfe nur noch genommen und nicht mehr gegeben? Ist das der Sieg des Egoismus, des Eigennutzes über den Gemeinschaftssinn? Er steht breitbeinig, mit hängenden Armen und nach vorn geneigtem Kopf am nordöstlichen Ausgang des Dorfplatzes von Bugk. Sein leerer Blick folgt traurig den schwächer werdenden, dunkelroten Rücklichtern der schweren Limousine. Da sich das Fahrzeug weiterhin sehr langsam fortbewegt, hat der Maler Zeit, um mehr als eine Minute in dieser Position zu verharren. Seinem seelischen Gleichgewicht nutzt das nichts. Die Enden seiner Gedanken findet er immer noch nicht. Sein Hirn zerfasert diese auf der Suche nach einer schlüssigen Erklärung immer weiter. Als die Positionslichter des Autos in der Ferne und Nacht verlöschen, beendet er die ergebnislose Grübelei, dreht sich um und geht ruhig zu der einsamen Laterne zurück. Diese ist der einzige Ruhepunkt in seiner aktuellen, ungeklärten Lage. Bietet sie doch eine einfache und scharf umrissene Leistung: Licht im Umkreis von fünf Metern.

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Wieder nähert sich ein Fahrzeug - das dritte. Dieses Mal ist die Einfahrt in den Ort mit einem lauten Poltern, Klirren und Rumpeln verbunden. Unüberhörbar nähert sich da etwas Gewaltiges. Es rast ungebremst und mit Vehemenz in den Ort hinein. Das ist nicht von Ignoranz, noch Eigennutz oder Magie getrieben - dahinter stehen einfach nur Wut, Gewalt, rohe Kraft. Angsteinflößend röhrt und faucht der Motor des noch nicht sichtbaren Transportmittels und eine Vielzahl schwerer Räder poltert über die Unebenheiten der märkischen Allee. An den Rand des Lichtkegels der Straßenlaterne hat sich eine streunende Katze verirrt. Sie blinzelt müde und gesättigt von der nächtlichen Jagd, in das Licht der Lampe und in Richtung des Malers. Als die lauten, unheimlichen Töne sie erreichen, duckt sie sich und hetzt in flachen, gestreckten Sprüngen über die Straße davon. Ihr Instinkt verbindet die Geräusche mit schrecklichen Bildern und Erlebnissen. Angstvoll quiekend und kreischend verschwindet sie unter dem Zaun eines angrenzenden Gehöftes. Dem Maler fehlen diese Erfahrungen. Er kann aus dem Gehörten nicht auf die kommenden Ereignisse schließen, eine Extrapolation in der Zeit bleibt ihm so erspart. Leider führt das zu einer Unentschlossenheit, die ihm zutiefst verhasst ist. Er weiß nicht, wie er sich verhalten soll: Muss er sich ängstlich auf das Gras neben dem Asphalt verziehen, sich hinter einen der Sträucher ducken und wieder in die schützende, jedoch kalte Anonymität tauchen? Muss er seine Existenz jetzt und hier verbergen? Oder ist es endlich an der Zeit, die Herrschaft über die Straße zu beanspruchen, sich mitten auf diese zu stellen und das Fahrzeug mit Gewalt zum Stillstand zu zwingen? Die beiden vorhergehenden Erfahrungen haben sein Selbstwertgefühl nicht gestärkt. Ein drittes Mal möchte er das nicht erleben. Da ist doch so etwas wie ein Instinkt in ihm: Dieser entscheidet sich für den Aufruhr, ganz im Gegensatz zu seinem sonstigen Verhalten. Entschlossen tritt er in die Mitte der Straße, sodass die Laterne mit dem Rand des Lichtkegels ihn gerade noch gut sichtbar beleuchtet. Beide Hände reißt er mit einem Ruck nach oben, kreuzt die Arme vor der Brust und greift sich über die Schultern auf den Rücken. Schwungvoll zieht er die Pumpguns aus den Futteralen. Noch in der Abwärtsbewegung der Arme lädt er die Paintballgewehre mit einem kräftigen Ruck. Anschließend stellt er die Beine etwas auseinander und knickt in den Knien leicht ein. Breitbeinig stehend und die beiden Gewehre in Hüfthöhe schussbereit haltend, blickt er grimmig auf den Eingang des Dorfplatzes. Jetzt wird er das Schicksal zwingen!

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Endlich biegt der Wagen um die Kurve in Richtung Dorfmitte. Schwache Lichtstrahlen aus Scheinwerfern tasten blass, schüchtern, fast verschämt, in die Richtung des Malers. Ihre Intensität ist der Geräuschkulisse in keinem Falle angemessen. Sie sind so konstruiert, dass ihr Schein feindlichen Jagdflugzeugen nach Möglichkeit entgeht. In der Nähe der Frontlinien sind akustische Emissionen verständlicherweise unwichtig. Nachts kann dort Beleuchtung jedoch tödlich sein. Das, was sich da auf den Maler zubewegt, erschreckt ihn. Die Umrisse deuten auf ein historisches Militärfahrzeug hin. Bereits aus einiger Entfernung sind die Blessuren zu erkennen, die dessen Außenhaut bedecken. Es scheint direkt aus einem Kriegseinsatz zu kommen. Der Maler ist sich mit einem Mal seines Mutes gar nicht mehr sicher. Zum zweiten Mal an diesem Ort starrt er mit geweiteten Augen auf die Straße und unfähig sich zu bewegen, verharrt er mitten auf dieser.

"Стой!", mit diesem Schreckensruf schlägt Wassili die Hände vor sein Gesicht.

Mit nur einer Sekunde Verzögerung stellt sich Jewgeni auf die großen Brems- und Kupplungspedale. Er hat sich vom Fahrersitz erhoben, krallt sich am Lenkrad fest und versucht sein ganzes Gewicht auf die beiden Hebel unter seinen Füßen zu legen.

"Da ... was ... soll ... ist der bescheuert?"

Jewgeni konzentriert sich so sehr auf den Bremsvorgang, dass ihm das Sprechen schwerfällt. Der ЗИЛ pendelt von links nach rechts in einer gewaltigen Amplitude, die dem alpinen Abfahrtslauf schon sehr nahe kommt. Da nur noch die Bremsen der beiden Vorderräder des Gespanns mit Druckluft versorgt werden, hat sich die Strecke bis zum Stillstand bei dreißig Kilometern pro Stunde auf vierzig Meter verlängert. Die beiden hinteren Achsen und der Anhänger lassen das Fahrzeug immer wieder seitwärts ausbrechen. Lautes Quietschen weckt die Anwohner und in die Fahrerkanzel weht durch die halbe, fehlende Frontscheibe der beißende Gestank verbrannten Gummis. Die beiden Vorderräder blockieren und heftige Vibrationen laufen durch den Lastkraftwagen. Übertragen von den steifen, schweren Stahlträgern, die den Rahmen des Zugfahrzeugs bilden, erreichen sie die Anhängerkupplung und das angekoppelte Aggregat. Dieses beginnt zu hüpfen und alle Zubehörteile klingeln, klirren und scheppern ohrenbetäubend in dem Anhänger. Eine heftige Vibration reißt das Auspuffrohr vom Endschalldämpfer ab und der Motor des ЗИЛ kann ungehindert seine Beschwerden über die rüde Behandlung herausbrüllen. Das gelöste Teil des Auspuffs fällt nach unten, verhakt sich auf der Fahrbahn in einem gusseisernen Gullideckel, wird vollständig abgerissen und an den Rand der Straße geschleudert. Dort trifft das Metall gegen die einsame Laterne in der Mitte des Dorfplatzes und löst einen lauten Gongschlag aus. Es verbiegt den Metallmast und etwas leiser summend kommt die Leuchte an dessen Ende in ihrer neuen Lage wieder zur Ruhe.

Der Maler verharrt während des beängstigenden Bremsmanövers wie angeklebt auf seinem Platz, mitten auf der Straße. So schwach das Licht der Frontscheinwerfer auch ist, es blendet ihn. Seine blassen Strahlen bohren sich von den aufgerissenen Augen auf kürzestem Wege direkt ins Hirn. Dort lähmen sie seinen Verstand und verhindern jegliche Reaktion. Erst als er gewahr wird, dass der Militärtransporter nicht mehr vor ihm zum Stehen kommen wird, löst er sich aus seiner Starre. Instinktiv krümmen sich seine Zeigefinger, ziehen die Abzüge der Pumpguns durch und in einem letzten Akt der Verzweiflung schießt er auf den Fahrer. Sein Instinkt verleitet ihn zusätzlich, im gleichen Augenblick einen Schritt zurückzutreten. Zu seinem größten Erstaunen verschwinden die orangen Farbkugeln widerstandslos in dem Fahrerhaus, als ob es diese verschluckt. Kurz darauf tippt die massive Stoßstange des Fahrzeugs gegen seinen Gürtel, bevor Ruhe in das Gefährt kommt.

Den Maler erstaunt, dass das massige Fahrzeug zu so einer sanften Berührung fähig ist. Die Aktion hat den Motor des gewaltigen Lastkraftwagens abgewürgt und die letzte Druckluft entweicht mit einem schwachen 'Pffft' aus den Bremszylindern. Der Wechsel zur absoluten, nächtlichen Stille ist abrupt und unwirklich. All der unheimliche, bedrohliche Lärm ist von einem Augenblick auf den nächsten verebbt. In den Ohren des Malers schmerzt die Stille. Dieser Zustand dauert nicht lange an, ein russischer Fluch aus dem Fahrerhaus beendet ihn.

"Оранжевый грязи!"

Die Fahrertür wird mit Schwung aufgestoßen und ein Mann springt heraus. Mit einiger Überraschung erkennt der Maler den großen, roten Stern, der als militärisches Hoheitszeichen mitten auf der olivgrünen Tür prangt. Dieses Symbol ist ihm nur aus dem Geschichtsunterricht bekannt und seine Schulzeit liegt bereits weit in der Vergangenheit. Nicht nur die Tür hat einige Dellen, sondern auch die linke Hälfte der Frontscheibe fehlt. Der Lastkraftwagen sieht insgesamt aus, als ob er direkt von einem Fronteinsatz kommt und noch vor wenigen Minuten unter Beschuss stand. 'Oh Gott! Bin ich jetzt auch in die Vergangenheit geraten, wie die Tambourette? Läuft gerade die Kesselschlacht von Halbe?' Der Anblick des Mannes, der im nächsten Augenblick aus dem Schatten der geöffneten Fahrertür tritt, nimmt dem Maler den Atem und lähmt jeden Gedanken in seinem Kopf. Der Schreck, der ihm durch den gesamten Körper fährt, ist so gewaltig, dass er zu zittern beginnt. Dann tritt diese Erscheinung auch noch auf ihn zu! Ihre Füße stecken in schweren, groben Stiefeln, deren Schäfte aus dickem, grauem Filz gefertigt sind und der Eisenbeschlag unter den Sohlen knallt bei jedem Schritt trocken auf den Asphaltbelag der Straße. In den Stiefeln stecken dunkelblaue, fettige Tuchhosen. Der Oberkörper ist in eine blaugraue Wattejacke gekleidet, die in Öl getränkt zu sein scheint. Die vielen Flecken färben sie fast vollständig schwarz. Ihren Kopf hat die Gestalt in eine schwarze, ebenfalls ölige, alte Panzerhaube gesteckt. Unter dieser ist an der Stirn der weiße Streifen eines Kopfverbandes sichtbar, in dessen Mitte sich der helle Stoff blutig, rot verfärbt. Die Verletzung kann somit noch nicht alt sein. Die Augen werden durch eine lederne Fliegerbrille mit einem Messingrahmen geschützt, der an einigen Stellen bereits Grünspan angesetzt hat. Vor Mund und Nase sitzt eine graue Atemmaske. Maske und Brille zeigen dem Maler, wo im Fahrerhaus die orangen Paintballs verblieben sind. Das linke Glas der Fliegerbrille und die Atemmaske sind orange befleckt. Der Mann bleibt in kurzem Abstand direkt vor dem Maler stehen und betrachtet diesen mit seinem rechten Auge durch das noch halbwegs durchsichtige Brillenglas. Das andere Glas der Brille ist komplett undurchsichtig.

"Spinnst du? Bist du lebensmüde?"

Anschließend reißt Jewgeni - der Fahrer des alten ЗИЛ-Lastkraftwagens - dem Maler das schwarze Barett vom Kopf und knüllt es zusammen. Dieser steht nach wie vor starr und leicht zitternd am gleichen Platz. Augen und Mund sind weit aufgerissen und aus letzterer Öffnung rinnt ein dünner Speichelfaden. Der Maler hat offensichtlich nicht nur das Atmen vergessen.

"Ach, was frage ich...", spricht Jewgeni resigniert zu sich selbst.

Er verspürt immer noch einen leichten Nachhall der schweren Depression in sich, die ihn im Bunker erfasst hatte. Ohne weiter nachzudenken, nutzt er die Kopfbedeckung des Malers als Putztuch und wischt sich damit die orange Farbe vom linken Glas seiner großen Fliegerbrille.

"Grrr! Damit ich dich besser ansehen kann - du Straßensperre!"

Wassili, inzwischen ebenfalls aus dem Fahrerhaus gesprungen, steht auf der anderen Seite des Motors.

"Ist wohl eher eine Straßenscheuche, bewegt sich ja gar nicht..."

"... scheint aber lebendig zu sein."

Jewgeni lehnt links und Wassili rechts an dem verstummten ЗИЛ. Die gewaltige Motorhaube ragt zwischen ihnen auf. Aus dem Grill an ihrer Vorderseite tritt ein Teil des überhitzten Kühlwassers als Dampf heraus, der in der kalten, feuchten Luft der Novembernacht sofort kondensiert. Die weißen Schwaden werden von der verbogenen Straßenlaterne gelblich erleuchtet und steigen langsam in den schwarzen Himmel hinauf. Beide betrachten den Maler interessiert, der nach wie vor starr vor dem Fahrzeug steht und die Paintballgewehre in Hüfthöhe im Anschlag hält. Jewgeni bemerkt, dass er immer noch das zusammengeknüllte Barett in seinen Händen hält.

"Upps - äh - hier, dein Hut."

Er hebt die Brille von den Augen, schiebt sie sich in die Stirn, über die Panzerkappe und reicht den Hut mit einer entschuldigenden Geste dem Maler. Der ist verwirrt, hält er doch in jeder Hand eine der beiden Pumpguns und kann nicht zugreifen. Instinktiv lässt er das Gewehr aus der rechten Hand fallen und nimmt das Barett entgegen. Das Klappern des Farbmarkierers auf dem Asphalt bringt ihn wieder zu Verstand und in die Gegenwart zurück. Er verstaut die beiden Markierergewehre langsam in den Futteralen auf seinem Rücken, setzt die orange befleckte Kopfbedeckung auf und blickt Jewgeni an.

"Sage bitte, welchen Tag haben wir?", fragt er vorsichtig und leise.

Jewgeni und Wassili beugen sich gleichzeitig nach vorn, drehen die Gesichter einander zu und blicken sich vor dem Kühlergrill des ЗИЛ erstaunt an. Was soll diese Frage bedeuten?

"Na den 25. November?", antwortet Wassili ebenfalls fragend.

"Nein - doch - ja, welches Jahr?", ist die ungeduldige Gegenfrage.

"2013?"

'Pffft' - das hörbare, erleichterte Ausatmen des Malers gleicht dem letzten Atemstoß der pneumatischen Bremsanlage des Lastkraftwagens. Nicht in der Zeit gewandert zu sein, beruhigt ihn. Von einem Krieg, in den er zufällig geraten ist, kann also nicht die Rede sein. Entspannt lässt er die Schultern sinken und beginnt zu lächeln.

"Warum fragst du das? Wer bist du und was willst du von uns?", mischt sich Wassili jetzt ein.

Wenn sie weiter ununterbrochen halten und sich mit den Eingeborenen der Gegend beschäftigen, werden sie heute nicht mehr in dem gemieteten Sommerhaus ankommen. Der Tag war lang genug. Jetzt möchte auch er endlich nach Hause. So kürzt er die nächtliche Unterhaltung ab, indem er das gesamte Tripel der entscheidenden Fragen in ein Paket steckt. Der Maler blickt von einem zum anderen der beiden Männer, die mit dem historischen Fahrzeug gekommen sind.

"Ich dachte, ich bin in eine andere Zeit geraten. Das war zum Glück ein Trugschluss. Ansonsten bin ich als 'der Maler' bekannt und ich möchte von euch nach Storkow mitgenommen werden."

"Du scheinst leicht verwirrt zu sein, oder? Egal: Wir nehmen dich mit, wenn du keinen Farbunfug mehr anstellst..."

"Und wer seid ihr?"

"Uns gibt es eigentlich gar nicht - wir sind nur zwei harmlose, anonyme, transnistrische Wissenschaftler auf der Durchreise zu unserem nächsten, großen Experiment."

"O.k, gut?", antwortet der Maler ungläubig fragend, da die Erklärung für ihn gar nichts beantwortet.

Bereits wenige Augenblicke später sitzen sie zu dritt im Fahrerhaus des ЗИЛ. Der Maler ist in der Mitte zwischen den beiden verrückten Wissenschaftlern aus Transnistrien eingeklemmt. In der engen Kanzel riecht es, trotz der zerstörten Frontscheibe, nach Schweiß, Blut, Öl und Wodka. Eine Kombination, die ihn schon wieder leicht nervös werden lässt: Diese beiden wollen Wissenschaftler sein? Blubbernd und fauchend startet der alte, jetzt ungedämpfte Motor des Lastkraftwagens. Die verkürzte Abgasanlage stößt schwarze Wolken unvollständig verbrannten Kraftstoffes unter dem Fahrerhaus aus. Sie steigen links und rechts neben den Fenstern der Seitentüren nach oben. Ein Teil der Abgase weht durch die zerstörte Frontscheibe in den Innenraum und gibt dem Gestank in der Kanzel eine neue Richtung. Wassili und der Maler beginnen zu husten und Jewgeni blickt sie triumphierend an. Die Atemmaske sieht wirklich hässlich aus, offenbart im Augenblick jedoch ihre Vorteile. Lächelnd zieht er sich die Brille wieder über die Augen, blickt auf die Druckanzeige der Bremsanlage und wendet sich an Wassili auf der anderen Seite des Fahrerhauses.

"Willst du gleich wieder halten?"

"Nein!"

"Dann benötigten wir keine Bremsen und können ohne Bremsdruck starten..."

Ob dieser Ankündigung krallt sich der Maler verängstigt in das harte Polster der Sitzbank des Fahrerhauses und der ЗИЛ-157 setzt sich ruckelnd, klirrend und klappernd in Bewegung. Während der Fahrt bläst ihm der Wind, der durch die zerstörte Seite der Frontscheibe hereindringt, gegen die linke Gesichtshälfte. Die kalte Luft zieht die Wange nach hinten und friert sie ein. Erstarrt vor Schreck und Kälte sitzt der Maler mit einer hässlichen Grimasse zwischen den wissenschaftlichen Abenteurern und wartet ungeduldig auf ihre Ankunft in Storkow. Trotz aller Anstrengungen Jewgenis pendelt der schwere Wagen beständig über die gesamte Straßenbreite. Er versucht, dem Motor jede versteckte Pferdestärke zu entlocken. Ihr vorübergehendes Zuhause ist nur noch wenige Kilometer entfernt. Zwei Fahrzeuge, die ihnen entgegen kommen, müssen in den Straßengraben ausweichen. Während der Maler erschrocken die Hände vor seine Augen schlägt, sieht Jewgeni ungerührt und starr weiter geradeaus auf die Straße und versucht die ungedämpften Ausschläge des großen Lenkrades zu bändigen. Wassili ist mit der Karte beschäftigt, sieht nicht nach außen und fühlt sich vollständig sicher. Letztendlich haben sie das stärkere Fahrzeug und sitzen über dem Geschehen. Ohne den hinteren Teil der Auspuffanlage und bei maximaler Last donnert der Motor wie der Nachbrenner eines Düsenjägers. Das fordert alle Hunde der an ihrer Fahrstrecke liegenden Höfe zu einer Antwort heraus. So ziehen sie eine lange Schleppe von Hundegeheul hinter sich her und durch die Nacht. Ein Angestellter einer Sicherheitsfirma, der die Kaserne am südlichen Ortseingang von Storkow bewacht, versucht einen Alarm auszulösen. Die Mobilmachung in der Einrichtung wird am Ende nur verhindert, da der zuständige Computer des Verteidigungsministeriums die Begründung 'Rote Apokalypse' mit einer Wahrscheinlichkeit von 'maximal unmöglich' bewertet.

W25C2P13
Autor

© 05.09.2016
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25. November 2013 22:15 Uhr
Ort: Wehr am Dahmeumflutkanal
Personen: Jewgeni, Wassili
25. November 2013 22:24 Uhr
Ort: Bugk - Ortsmitte
Personen: Jewgeni, Wassili, Maler
Inhaltsverzeichnis