; Die Horrormöhre

Die Horrormöhre

Wo die Verderbtheit des bösen Gemüses auf das Reine trifft,
Ist dieses schutzlos ausgeliefert.
Auch das kälteste Eis kann nicht widerstehen dem Grauen.

Vegetarium 28:1

Horrormöhre? Was soll denn das heißen? Karotten sollen gefährlich sein? Das ist doch nicht ernst gemeint, oder? Ja, es ist bekannt, dass es viele Bedrohungen gibt. Unsere Welt wird durch Heerscharen von Werwölfen, Vampiren, Politikern, Horrorclowns, Killerkaninchen, Waffenfetischisten, Populisten, Exorzisten und Extremisten jeglicher Couleur unsicher gemacht. Die sind allgemein als gefährlich bekannt, leicht erkennbar und man kann den näheren Kontakt mit ihnen vermeiden, aber Mohrrüben? Das Gemüse wird seit ewigen Zeiten als 'äußerst gesund' angepriesen. Es ist Teil einer Unzahl von Gerichten und ein direkter oder indirekter Kontakt mit Karotten ist nahezu unmöglich zu umgehen.

Dabei liefern uns Geschichten aus der Vergangenheit und auch das eine oder andere eigene Erlebnis den - wenn auch versteckten - Beweis für die Gefahr, die von den Möhren ausgeht. Denken wir nur an die einsamen Eismonster, die jeden Winter die Landschaften außerhalb der Stadtzentren bevölkern. Hat es geschneit und blieb das gefrorene Wasser für einige Tage liegen, tauchen sie auf. Unbedarfte und unwissende Zeitgenossen nennen sie fälschlicherweise 'Schneemann'. Einmal zusammengerollt und aufgeschichtet, wird aus dem Schnee jedoch alles andere, als ein 'Mann': Es erwacht ein einsames Eismonster zu seinem bösen Leben! Tagelang stehen diese gruseligen Geschöpfe scheinbar reglos an ihrem Platz und starren aus schwarzen Punktaugen in die Winterwelt. Da ist kein Blinzeln, keine einzige Regung in ihrem grauen Gesicht zu erkennen. Sie blicken unverwandt in eine Richtung und sammeln Informationen. Ungeachtet aller Bemühungen ist es bisher niemandem gelungen, den Empfänger der Daten zu bestimmen, die von den Eismonstern gesammelt werden. Wird es etwas wärmer, sind sie plötzlich verschwunden, mit ebenso unbekanntem Ziel, wie ihre Nachrichten. Diese Wintergeister mit dem mysteriösen Lebenslauf kennt jeder. Ihnen kann man ausweichen, indem man nie ihre Blickrichtung kreuzt. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Die wichtigste Frage im Umfeld der Eismonster ist jedoch: Warum haben die immer eine Karotte als Nasensimulation? 1986 scheint sich endlich eine seit vielen Jahren gehegte Vermutung zu bestätigen: Die Mohrrübennasen sind das eigentliche Zentrum des Bösen der 'Schneemänner'. In dem orangenen Zinken sammelt sich die gesamte Gefahr, die von den Eismonstern ausgeht. Erst durch diesen spitzen Zusatz wird aus gefrorenem Wasser ein Eismonster. Die den Karotten innewohnende Kraft der Verderbnis kann selbst reinen Schnee in pures Böses wandeln.

Nein, nein, nein, es kann nicht häufig genug wiederholt werden: Mohrrüben sind lebensgefährlich, ja gnadenlos tödlich, wenn man sie gewähren lässt. Drei Schüler vom Rand der geteilten Stadt strecken der gesamten Menschheit ihre helfende Hand entgegen, um das größtmögliche Desaster zu verhindern. Die Welt, beschäftigt mit dem populistischen Getue des Kalten Krieges, schlägt diese heroische Hilfe jedoch aus. So bahnt sich der Höhepunkt einer epochalen Auseinandersetzung an, in der die gesamte Menschheit untergehen kann.