Neues vom Rotkäppchen
Die Waldschule
Matthias Boldt, Laura Boldt
Er trägt Informationen zusammen, ordnet und formatiert diese und stellt sie der Allgemeinheit zur Verfügung, ganz wie Bilder in einem Photoalbum. Seine kurzen Texte sind der Klebstoff, der die Bilder in den Alben fixiert.
Kinderbuch
51
9783946373575
31.07.2022
Deutsch
1
Jetzt kaufen:
Neues vom Rotkäppchen
Tief im dunklen Wald des Dahmelandes lebte ein kleines Mädchen. Es fühlte sich wohl unter den hohen Bäumen, auch wenn es im Wald manches Mal sehr dunkel war. Einsam war es nie, gab es doch die vielen Tiere. Ganz besonders die kleinen unter ihnen hatten es dem Mädchen angetan. Mit ihnen freute es sich jeden Tag neu über das Leben. In so einem großen Wald konnte man schnell einmal übersehen werden oder sogar verloren gehen. Damit das nicht geschah, trug es immer ein leuchtend rotes Mützchen. Dieses war wunderschön anzusehen, aus weicher Wolle gestrickt und am spitzen Ende zierte es eine großen Bommel mit einem Glöckchen.
Leseprobe
Das Dahmeland ist das Auenland im Herzen der großen, weiten Mark Brandenburg. Dort ragten vor zehntausend Jahren noch berghohe Gletscher in den Himmel und gewaltige, eiskalte Ströme Schmelzwassers ergossen sich wild von ihnen in die Tiefe. Heute schlängeln sich hier kleine Flüsse sanft durch Seen und Wälder. Die Hinterlassenschaften der Eisberge bildeten den Grundstock des Dahmelandes: Sand und Findlinge. Den Sand schoben sie vor sich her und die Gesteinsbrocken brachten sie aus den nordischen Gebirgen mit, von dort, wo die Trolle wohnen. Manche Ereignisse im Land Brandenburg lassen vermuten, dass damals mit den Felsbrocken auch einige der Trolle hierher kugelten. Diese treiben noch heute ihr Unwesen im Dahmeland.
Nachdem die bitterkalte Eiszeit endete und die Mammuts die Gegend verließen, zogen immer wieder Menschen durch das Dahmeland. Irgendwann wurden hier germanische Stämme heimisch. Leider kühlte sich das Wetter nach vielen Jahren wieder ab. Als die Bewohner der umliegenden Gebiete langsam in wärmere Gegenden umzogen, schlossen auch sie sich der Völkerwanderung an. Die Mark Brandenburg und auch das Dahmeland wurden nahezu menschenleer. Zurück blieben nur die Wassergeister und die Trolle. Einige Jahre später zog es die slawischen Wenden hierher, denn von den Geistern hatte ihnen niemand erzählt. Von Osten kommend, füllten die Slawen langsam die Gegend und die Flussufer waren wieder von Menschen bewohnt. Sie wurden im Dahmeland die ’Sprewanen’ genannt. Auf den sumpfigen Inseln inmitten der Flüsse und Seen bauten sie wehrhafte Wasserburgen, um ihre Siedlungen verteidigen zu können.
Als hatten sie es geahnt, wurde es irgendwann den Germanen beim Aufbau des ihres Reiches westlich jenseits des großen Flusses ’Elbe’ zu eng. In mehreren Zügen wanderten sie wieder weiter nach Osten. Die dort lebenden Sprewanen wurden Teil des Reiches und mussten an einen neuen Gott glauben, so auch im Dahmeland. Ihre hölzernen Burgen halfen ihnen nicht gegen die westliche Übermacht. Die Wassergeister und Trolle störten sich nicht an all diesen Veränderungen, sie treiben bis heute ihr Unwesen im Dahmeland.
Das Dahmeland sah im Laufe der Jahrhunderte viele Heere und Kriegsherren kommen und gehen. Zum Leidwesen der Einwohner verwüsteten die Kriege immer wieder das Land. So geschah es auch im Dreißigjährigen Krieg. Im Dahmeland gab es nichts zu rauben, waren doch dort nur Sumpf, Auen, Wasser, Sand und kleine Ortschaften. In dieser schrecklichen Zeit zog auch ein großes Heer des schwedischen Kriegsherrn vorbei. Hinter den Soldaten folgten viele Wagen mit dem Beutegut und den Familien dem Zug. Unter diesen Nachzüglern befand sich auch ein kleines Mädchen. Es war mit seinen Eltern aus dem fernen Schweden bis in das Dahmeland gewandert. Ihr Vater führte als Tambourmajor die Trommler des Heeres an. Deshalb nannten alle sie die ’Tambourette’. Ein einziges Mal entfernte sich das kleine Mädchen zu weit von dem Wagen der Familie und stolperte im Wald über einen schlafenden Troll. Der war wegen der Unterbrechung seines Schlafes so erbost, dass er das arme, kleine Mädchen mit einem Fluch belegte. Seit dieser Zeit wanderte es ruhelos durch die Wälder und über die Wiesen des Dahmelandes - Tag für Tag, Jahr für Jahr, Jahrhundert für Jahrhundert, … ohne einen Weg zurück. …