Die Ableben des Patrik Panne

Die Ableben des Patrik Panne

Märchenbuch für Erwachsene - ein Corona-Book

Mobo Doco

Romantik, Cyberpunk, Science Fiction, Alltagspunk und Dieselpunk in Kombination - Das gibt es nicht? Doch, gibt es - und es ist hier zu lesen... Mobo Doco konzentriert sich auf seine Werke. Zwischen den unruhigen Jahrzehnten aufgewachsen, mag er die Zurückgezogenheit. Er denkt und schreibt über Vergangenes, Aktuelles und Zukünftiges: bei texorello.org.

Genre:

Humor/Satire

Seiten:

103

ISBN:

9783946373124

Erschienen:

14.04.2021

Sprache:

Deutsch

Auflage:

1

Die Ableben des Patrik Panne

Achtung, aufgemerkt! Sie sind noch keine 14¾ Jahre alt? Dann legen Sie das Märchenbuch sofort wieder zurück! Nur nicht den Deckel aufschlagen und nichts lesen. Es könnten Spuren von Wahrheit enthalten sein, die Ihren blinden Glauben an Versprechungen und die Unfehlbarkeit von Obrigkeiten dauerhaft schädigen.

Lebensgefahr droht vielleicht nicht Ihnen, dem einsamen Helden der Geschichten dieses Märchenbuches schon. Auch wenn Sie die magische 14¾-er Grenze bereits überschritten haben, könnten Sie die Erlebnisse von Patrik Panne mental überfordern.

Falls Sie trotz dieser Warnung den Mut aufbringen und den gefährlichen Abenteuern von Patrik Panne folgen möchten, dann lassen Sie sich jetzt nicht mehr aufhalten: Tauchen Sie ein in die Geschichten und erleben Sie die haarsträubenden Untergänge eines gedankenlos folgsamen und hörigen Mitläufers, der nie gelernt hat, sein eigenes Hirn zu nutzen. Erleben Sie, wie es enden kann, wenn jemand denkt, anderen Menschen die Verantwortung für das eigene Leben überlassen zu können.

Die Bücher dieser Reihe heißen aus zwei Gründen ’Corona-Book’. Sie beschreiben Erscheinungen in Randbereichen des täglichen Lebenswahnsinns. Außerdem ist es in Zeiten von Entschleunigung und Einschränkungen ratsam, wieder einmal ein Buch in die Hand zu nehmen.

Leseprobe

Patrik Panne wollte einfach nur die vielen Schrecknisse des Lebens überleben, die ihm ununterbrochen eine panische Angst einflößten. Mit der Schule und dem Wissen hatte er es nie so - im Besonderen nicht und im Allgemeinen schon gar nicht. Er saß die Pflichtjahre einfach ab. Seine Heimat Überland quälte ihn ein ganzes Jahrzehnt damit und ihm kam es wie die endlose Folter in der Hölle vor. Nach mehreren vergeblichen Versuchen der pädagogischen und wissenschaftlichen Indoktrination sahen die mit ihm betrauten Lehrkräfte davon ab, ihn zu Wiederholungen von Jahrgängen zu nötigen. Inzwischen konnte er sich selbst auch nicht mehr erinnern, welche Klassenstufe er zum Ende seiner Schulpflicht erreicht hatte. Nachdem er in der Lage war, einzelne Worte mühsam zu buchstabieren, hatte er beschlossen, dass dies für den Rest seines Lebens ausreichte. Bücher waren gute Wurfgeschossen, um die Schulkameraden in Schach zu halten, mehr aber auch nicht. Wenn es darum ging, die Streber zu verprügeln, war er immer unter den ersten - zumindest in den Anfangsjahren seines Schulbesuches. Patriks dehnte sein Inaktivität vom geistigen auch auf das körperliche Feld aus. Warum auch anstrengen, wenn einem einfach alles gereicht und gebracht wurde, was man sich nur vorstellte. Überland war so reich, dass es seinen Wohlstand jedem Einwohner überhalf, ob der das wollte oder nicht. So gelangte er in seinen späteren Schuljahren beim Messen der Kräfte ins Hintertreffen und musste sich in Schlägereien zurückhalten. Außerdem hatte er feststellen müssen, dass sich einige Menschen durchaus zur Wehr setzten und dabei konnte man selbst arg verletzt werden, was meist mit dem Besuch bei einem Mediziner endete. Das wiederum bescherte ihm heftige Angstträume, da Patienten bei diesen Gelegenheiten so gut wie immer mit Spritzen gefoltert wurden. Stiche mit Nadeln bereiteten ihm noch viel mehr Angst, da er überall hörte, dass Impfungen eine sehr schädliche Angelegenheit für die Gesundheit sind.

Vor einigen Jahren entdeckten die öffentlichen Medien ihre Vorliebe für verängstigende Berichte. Nichts verkaufte sich besser als Horror, Chaos, Blut und Gewalt in den Nachrichten. Um die aufwendige und manchmal beschwerliche Beschaffung von Fakten und Tatsachen zu optimieren, wurden daraufhin diese Nachrichten um Meinungsäußerungen ergänzt, die alles Negative noch mehr unterstrichen. Es dauerte gar nicht lange, da waren Fakten aus den Berichten vollständig verschwunden und komplett durch Meinungen ersetzt worden. Überland konnte es sich leisten. Für Patrik brach die Hölle auf und es begann ein fortwährender Weltuntergang um ihn herum zu toben. Keinen der Berichte konnte er hinterfragen und die Fehler darin entdecken, schließlich fehlte es ihm an dem notwendigen Wissen. Als er feststellen musste, dass sich nach einigen Jahren die Welt immer noch im Dauer-GAU befand und trotzdem bisher nicht untergegangen war, begann er leichte Zweifel daran zu entwickeln und sich nach einem ’starken, allwissenden Helden’ zu sehnen, der ihn leiten und beschützen konnte. Durch Zufall sah er während einer durchzitterten, schlaflosen Nacht einen Werbebeitrag auf einem der Shopping-Kanäle im Fernsehen. In diesem wurde von einem ’Großen Förster’ berichtet, der für seinen Wald ein neues Volk sucht, das sich unter seinen Schutz stellen möchte. Auf jeden Fall klang das vielversprechend und er wurde aufmerksam. Obwohl ihm hätte auffallen müssen, dass auch in diesem Werbebeitrag etwas nicht stimmen konnte - wohin war das alte Volk des Waldes verschwunden und warum musste sich der Förster ein neues suchen - wählte Patrik unverzüglich die angegebene Telefonnummer. Natürlich blieb ihm auch gar nichts anderes übrig, da er sich Zahlen maximal zwei Minuten merken konnte. Hätte er überlegt und etwas länger mit dem Anruf gewartet, wäre ihm die Nummer entfallen gewesen. ”Forstamt ’todsicherer Wald’!”, brüllte eine befehlsgewohnte, kräftige Stimme aus dem Telefon. Die Sicherheit des Sprechers auf der anderen Seite der Leitung und das Teilwort ’tod’ in der Begrüßung schüchterten Patrik sofort ein. Er begann zu zittern und traute sich nichts zu sagen, ja nicht einmal zu atmen und lauschte in das Telefon hinein. Kurz bevor er wegen Sauerstoffmangels in eine Ohnmacht fiel, meldete sich der Sprecher wieder und rettete damit Patriks Leben. ”Hallo? Meine Zeit ist knapp und teuer!”, bellte es unwirsch: ”Anmeldungen für die nächste Treibjagd auf der anderen Nummer!” Patrik war so überrumpelt, dass er leise stotterte: ”… i … ich … wi … will … mich melden …” ”Ah! Eine Selbstanzeige…”, klang es mit einem Mal zuckersüß zurück: ”… wie schön. Immer heraus damit, ich kümmere mich sofort!” Oh Gott, er wurde bedroht! Eine Anzeige konnte er gar nicht gebrauchen, bestimmt würde er ins Gefängnis kommen und sich dort erkälten und dann ins Krankenhaus eingeliefert werden und dann würd…