Richards vierte Dimension

Richards vierte Dimension

Christoph Hofmański

Christoph Hofmański (Jg. 48) war nach einer Zeit im Management eines IT-Unternehmens als Dozent in den Fachbereichen Kommunikation und Mitarbeiterführung, außerdem als Coach und Supervisor tätig. Seine Klienten waren Unternehmer, Trainer, Coache und Personalentwickler. Die Erfahrungen aus der Praxis nutzte er in den 90ern für die Entwicklung der „Tiefenmotivations-Analyse“. Auf der Grundlage der in Praxis und Theorie gefestigten Erkenntnisse gründete er 2005 das Institut für Persönlichkeitsorientiertes Management, Görlitz. Er ist nach wie vor als Berater tätig und will mit seinen Büchern das Wissen weitergeben.

Genre:

Persönlichkeit

Seiten:

247

ISBN:

9783946373957

Erschienen:

02.12.2024

Sprache:

Deutsch

Auflage:

1

Richards vierte Dimension

Das Selbstmanagement braucht Antworten: Was ist ein erfolgreiches Leben? Woher komme ich? Wo bin ich heute? Und wo möchte ich am Ende bestenfalls sein? Was geschah, bevor ich in diese Welt kam? Wo stammen die Gefühle oder Erinnerungen her, die mir als Kind bestimmte Muster mitgegeben haben, die mich ängstigten oder mir Mut machten? Wo und wie entstehen meine Ideen? Was oder wer steuert wirklich mein Denken, Fühlen und Handeln? Es muss etwas anderes geben als die Zeit zwischen Geburt und Tod, sonst macht doch alles keinen Sinn, oder? Für naturwissenschaftlich denkende Menschen mögen das unsinnige Fragen sein. Für die seelische Wirklichkeit sind sie aus verschiedenen Gründen von hoher Relevanz. Im Namen irgendwelcher Götter wurden schon zu viele Kriege geführt, schon zu viele Opfer gebracht. Menschen quälten sich und gerne auch andere aus spirituellen Gründen. Die vierte Dimension ist ein gedankliches Konstrukt, das vielleicht hilft, das Unerklärliche zu verstehen und positiv zu nutzen.

Leseprobe

Wozu war und ist dieser Weg gut, den ich mein Leben nenne? Aus den mehr oder weniger bewussten Angst- oder Hoffnungsfilmen, die in meiner Fantasie abliefen, formten sich Skizzen oder Drehbücher. Sie bekamen eine Struktur, veranlassten mich zur Selbstkritik oder, vielleicht noch wichtiger, dazu, mich in andere Menschen einzufühlen, der eigenen Betroffenheit einen weiteren Standpunkt und noch andere Gefühle zu schenken.

Karsten (ein früherer Freund, damals Militärarzt) hatte schon vor zwanzig Jahren gesagt: ‚Richard, die Einschläge kommen immer näher.‘ Wir waren noch keine sechzig Jahre alt. Jung aus heutiger Sicht. Aber er hat recht gehabt. Viele unserer Freunde sind mittlerweile verstorben. Und auch ich habe keine Ahnung, ob ich noch zwei oder zwanzig Jahre zu leben habe.

Wahrscheinlich ist es für mich selbst egal, ob ich mit achtundsiebzig oder sechsundneunzig Jahren sterbe. Es wird einfach vorbei sein. Wichtig ist, was ich bis dahin mache. Wichtig ist auch, was nach meinem Tod geschieht. Mit mir und meinen Lieben.

Heute kann ich mich selbst nach dem Wozu fragen. Hatte mein Leben einen Sinn? Falls ja, welchen? Haben der Tod meiner Kinder, oder der Menschen in Afrika oder in der Ukraine oder in Palästina einen Sinn?

Was kann ich machen, damit Frieden einkehrt? Nicht nur dort, wo Kriege und Hungersnöte wüten, sondern auch in den Köpfen der Idioten, die ihre Wut an Ausländern oder an Andersdenken austoben. Sobald ich mit einzelnen von ihnen rede, verwandeln sie sich von Faschisten in kleine Kinder, die mir unter Tränen von ihrem frühen Leid erzählen. Es ist so, als ob ich durch einfache Fragen eine Tür in ihrem Bewusstsein öffne und etwas Wahrheit aus den tieferen Ebenen ihres Gedächtnisses einfließen kann.

Hesse hat geschrieben, wir sollen sogar in einem Mörder den kommenden und immer seienden Buddha erkennen (Hermann Hesse, Siddhartha). Ich habe es häufig genau so erlebt, dass diese Zuwendung von meinem inneren Kern zu deinem inneren Kern etwas bewirkt, dass ich nur schwer in Worte fassen kann. Die Wirkung ist überraschend. Es scheint so, als ob eine andere Instanz für einen Moment die Führung dieses Menschen übernimmt.

Es scheint etwas außerhalb unserer dreidimensionalen Wirklichkeit zu agieren und uns miteinander zu verbinden. Das kann eigentlich nicht sein, denn unsere Ideen, unsere Entscheidungen und alle damit verbundenen gedanklichen oder emotionalen Prozesse finden in unserem Gehirn statt.

Falls es eine andere Instanz gibt, dann wirkt sie aus einer anderen Dimension, verknüpft dein und mein Gehirn, indem sie uns beide mit Informationen versorgt.

Mir gefällt der Vergleich mit einer zweidimensionalen Welt: Wenn das Papier auf der rechten Seite meines Schreibtisches Informationen bekommt, weil ich darauf schreibe, denn mag es für dieses Blatt ein göttliches Wunder sein. Es ist ihm etwas Geheimnisvolles geschehen. Ich wende mich nach links und schreibe auf einen Zettel den gleichen Text. Nun wird der sich wundern! Nehmen wir an, es gäbe eine Kommunikation zwischen dem Blatt und dem Zettel. Sie würden vielleicht über Gott und die Welt fantasieren. In der zweidimensionalen Welt gibt es keine andere Erklärung. Und mehr noch als diese Blätter und Zettel brauchen wir Menschen rationale Erklärungen, denn wir müssen unsere Versorgung planen und immer wieder vernünftige Entscheidungen treffen und möchten nicht zum Spielball irgendwelcher Instanzen außerhalb unserer Existenz werden.

Ich habe schon so vieles erlebt, was nicht in unser Raum-Zeit-Kontinuum passt. Bislang habe ich mich damit abgefunden, einfach unwissend zu sein. Falls mich mein Mut nicht verlässt, möchte ich diese selbstgegebene Barriere durchbrechen.

Mein Konstrukt dafür ist: Wir leben in einer dreidimensionalen Welt. Aber manches, was uns geschieht und was wir wahrnehmen, wird nur dann verständlich, wenn es eine vierte Dimension gibt.

Vielleicht sitzt dort ein ähnlicher Schreiberling. Er beobachtet dich und mich. Er will etwas ausprobieren und schreibt in dein Gehirn einen neuen Gedanken. Und dann schreibt er den gleichen Inhalt in mein Gehirn. Du und ich schauen uns an und äußern fast gleichzeitig diesen Gedanken. Wie ein Regisseur wartet er ruhig ab, wie wir damit umgehen und beobachtet, ob und wie sich unsere Beziehung davon beeindrucken lässt.